Das Jahr, in dem die Hobrs ihr Material schmirgelten.


Mit voller Motivation und bärenstarken Beinen ging es ’21 in die Pfalz. Der Alte Bahnhof in Reichenbach im Dahner Felsenland bot eine nahezu perfekte Infrastruktur für eine Hobr-Tour: Schöne Wege, gutes Essen und genügend Bier.

Der Ferienbahnhof Reichenbach bei Familie Burkhart – Übernachtung im alten Lokschuppen, verpflegt im hauseigenen „Altes Bahnhöf’l“. Inhaber Matthäus ist ein grandioser Gastgeber, das Essen hervorragend. Mittlerweile umfangreich saniert – schon 2021 eine der besten Basisstationen, die eine Hobr-Tour haben kann.



Der Römerfelsen: ein bizarrer, freistehender Sandsteinturm mit Doppelgipfel und gesicherter Aussichtskanzel – hinauf geht’s über eine Leiter. Kleines Geologie-Wissen gefällig? Der rote Buntsandstein hier ist über 250 Millionen Jahre alt, entstanden aus meterdicken Sedimentschichten der Perm- und Trias-Zeit; seine Farbe verdankt er Eisenoxid-Einschlüssen. Ob tatsächlich Römer hier oben standen, ist historisch übrigens nicht belegt – der Name bleibt bis heute sein kleines Geheimnis.

Einkehren natürlich im Bahnhöf’l bei Familie Burkhart – wo sonst? Übrigens fällt auf: Gefühlt trägt in Reichenbach jedes zweite Unternehmen den Namen Burkhart. Große Auswahl gibt’s in der Gegend trotzdem nicht – aber wer braucht mehr, wenn’s am Ausgangspunkt schon perfekt ist.

Ankunftstag, leichtes Einrollen – zumindest auf dem Papier. Vom Bahnhöf’l ging es hinauf zum Aussichtspunkt Burgenblick und weiter zum Römerfelsen, bevor der Wölmersberg-Trail zeigte, dass „leicht“ im Pfälzerwald relativ ist: Spitzkehren mitten im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord, an deren Ende sogar ein Stück Trail nicht mehr fahrbar war und geschoben werden musste. Dazu der extrem sandige Untergrund, für den der Pfälzerwald berüchtigt ist – Schleifpapier für Kette, Bremsen und Reifen. Entschädigt hat der Blick zur Burg Altdahn und auf die rot leuchtenden Felsformationen bei Schindhard, ehe der Napoleonsteig zurück ins Tal führte. 24 Kilometer, 350 Höhenmeter – und schon am ersten Tag klar: Hier ist jeder Trail ein kleines Abenteuer.



Kurz vor dem Ziel ragt der Ungeheuerfelsen auf, aus dem die Erosion im Lauf der Jahrtausende gleich zwei markante Bögen herausgemeißelt hat. Wie fast alles im Wasgau besteht auch er aus Buntsandstein, der hier vor über 250 Millionen Jahren entstand: Über 500 Meter mächtige Sedimentschichten lagerten sich in der sogenannten Pfälzer Mulde ab, eingefärbt durch feine Eisenoxid-Einschlüsse zu jenem charakteristischen Rot. Dass die eigentlich flach liegenden Schichten heute als steile, freistehende Türme in den Himmel ragen, liegt an unterschiedlich hartem Gestein: Wind und Wasser haben die weicheren Partien über Jahrmillionen ausgeräumt, während widerstandsfähigere Sandsteinbänke als Felsnadeln stehen blieben. Der Pfälzerwald, ein Gebirge, das älter ist als die Alpen – nur eben deutlich bescheidener in der Höhe.

Der Hauptkampftag: 51 Kilometer und knapp 1.000 Höhenmeter, verteilt auf ein ständiges Auf und Ab durch den Pfälzerwald – der höchste Punkt lag bei gerade einmal 400 Metern, was zeigt, wie kleinteilig und zehrend das Profil hier wirklich ist. Schmale Waldwege über feinen Pfälzer Sand, der sich gnadenlos in jede Antriebskomponente frisst, dazu rote Sandsteinfelsen und ein Anstieg nach dem nächsten, bis die Beine erzählten, was „Hobr-Infrastruktur“ eigentlich bedeutet: genug Höhenmeter, um sich das Bier am Abend redlich zu verdienen.



Am höchsten Punkt der Tour, dem Großen Eyberg (513 m), thront der Eybergturm – ein 18 Meter hoher Stahlfachwerkturm. Schon in den 1930er-Jahren stand hier ein hölzerner Vorgänger, den die Wehrmacht zur Landvermessung für den Westwall nutzte; der heutige Stahlturm entstand kurz nach dem Krieg und diente in den 1950er-Jahren sogar als Radarstation für den nahen Militärflugplatz Zweibrücken, ehe er in den 1970ern saniert und wieder zum reinen Aussichtsturm wurde. Wer die schmalen Stahltreppen hinaufklettert, wird mit einem Panoramablick über den Wasgau bis zur Rheinebene belohnt – vorausgesetzt, die umstehenden Bäume lassen gerade genug Lücken.

Der schwerste Tag der Tour: 51 Kilometer und 1.170 Höhenmeter, der höchste Punkt der gesamten Reise auf rund 510 Metern erreicht. Zumindest für die, die noch konnten: Schraube-Hobr kurierte an diesem Samstag lieber eine fiese Erkältung mit Hühnersuppe im Lokschuppen. Für den Rest ging es mit zwei Tagen Sand in Kette und Knochen noch einmal in die vollen Trails des Pfälzerwaldes, bevor am letzten Abend im Bahnhöf’l endgültig Bilanz gezogen wurde: schöne Wege, gutes Essen, genügend Bier – die Pfalz hatte gehalten, was der Titel versprach, bis auf ein haariges Versprechen, das bis heute uneingelöst im Raum steht.