Der Sommer, in dem die Hobrs bescheiden wurden.


Wir haben dazugelernt. Ehrwald im Vorjahr war eine Nummer zu groß für uns, zumindest so, wie wir das ursprünglich geplant hatten. Also luden wir uns Unterstützung ein und versuchten uns erstmal im Mittelgebirge. Wer hier durchgehend mit vollen 100 % E-Bike-Power unterwegs war, hatte seinen Spitznamen schnell weg: der Hunderprozentige. Dr. Hobr wiederum fuhr dieses Wochenende komplett bio. Ab in den Harz.

Selbstversorger im Ferienhaus an der Skiwiese in Braunlage – Blockhaus direkt am Wurmberg, kurze Wege zu den Trails. Verpflegt hat man sich weitgehend selbst, vor allem mit Bier.


Nach knapp 5 Kilometern der erste Stopp: das Waldcafé Forellenteich in Braunlage, idyllisch am Teich im Brunnenbachstal gelegen. Erstmal Pause, erstmal was essen. Nun ja – sagen wir, die Erwartungen waren nach der kurzen Strecke größer als der Hunger.

Vier Hobrs in einem Auto, drei Bikes auf dem Träger, ein E-Bike wurde vor Ort gemietet. Der Kollege Vermieter ölte die Kette fachmännisch triefend, vermutlich mit Sonnenblumenöl vom Discounter. Es tat seinen Dienst. Der erste Abend blieb bescheiden: Nudeln mit Pesto, mehr planten wir ohnehin nicht. Auf der ersten Tour dann der erste Dämpfer abseits der Beine: toter Wald, so weit das Auge reichte – ganze Fichtenhänge kahl und grau, Folge jahrelanger Dürre und explodierter Borkenkäferpopulationen, die dem Nationalpark seit 2018 zusetzen. Der Harz lässt die toten Bäume bewusst stehen, „Natur Natur sein lassen“ ist hier offizielles Prinzip, schön anzusehen ist das trotzdem nicht.


Auf dem Brocken zieht ordentlich Wind, und es ist spürbar kälter als unten im Tal – ein Jäckchen für den Gipfel gehört unbedingt ins Gepäck.

Mitten im Nationalpark, zwischen Braunlage und St. Andreasberg, liegt die Waldgaststätte Rinderstall – benannt nach den Rinderweiden, die hier im 19. Jahrhundert das Odertal prägten. Bestellt haben wir dort auch, nur mit Geduld: „Wird kommen!“ war der Standardspruch der leicht wunderlichen Bedienung, ganz gleich, was und wie oft man fragte.

Tag zwei hatte es in sich: Brocken und Wurmberg an einem Tag – ambitioniert, aber machbar. Während sich bei den anderen die Beine langsam meldeten, drehte Dr. Hobr ausgerechnet am zweiten Berg, dem Wurmberg, noch einmal richtig auf. Einer der Hobrs hatte an diesem Abreisetag außerdem Geburtstag, entsprechend kräftig wurde abends reingefeiert – inklusive meditativem Handtuchspaziergang im Garten nach dem Saunagang, das Foto dazu sparen wir euch. Auch die Pizza am zweiten Abend hatte ihre Tücken: bestellt bei „Da Asporto“ – der Name hätte uns eigentlich hellhörig machen sollen, „asporto“ heißt schlicht „zum Mitnehmen“. Bei der Abholung kannte man unsere Bestellung trotzdem nicht, wir hatten uns schlicht im Laden geirrt. Am Bier kann es nicht gelegen haben. Hihi. Am Lagerfeuer wurde trotzdem kräftig weitergefeiert, Pizza und Geburtstag inklusive.

Am nächsten Tag ging es zurück Richtung Heimat. Also los: In Jesberg soll’s große Schnitzel geben …

„Wer den Tod des Waldes sieht, lernt das Leben der Hobrs zu schätzen.“

Novalis (Fahrradromantiker): Hymnen an die Nachtschicht