Das Jahr, in dem die Hobrs (fast) eine Legende trafen.


Fast hätten wir ihn getroffen: Jens Weißflog persönlich, Skisprunglegende und Namensgeber unseres Hotels in Oberwiesenthal. Es blieb bei der Aura – aber die hat gereicht, um uns über den Fichtelberg und durchs tschechische Grenzland bis zum Bikepark Klínovec zu tragen. Drei Tage, zwei Länder, ein Frühstücksbuffet zum Niederknien.

Standesgemäß im Jens Weißflog Hotel in Oberwiesenthal – ganz hervorragendes Essen, allem voran das riesige Frühstücksbuffet, dazu ein guter Spa-Bereich zum Regenerieren. Auf ein Treffen mit der Skisprunglegende selbst hatten wir insgeheim gehofft – leider vergeblich.



Die alte Bobbahn am Fichtelberg ist keine Bobbahn mehr, sondern seit 1990 ein Mountainbike-Trail – Reste ihrer DDR-Vergangenheit inklusive. 1970 als naturvereiste Rennschlittenbahn für den Sportclub Traktor Oberwiesenthal gebaut, rasten hier bis zur Wende Nachwuchsrodler durch die engen Kurven. Nach der Auflösung des Sportclubs 1990 verfiel die 1,1 Kilometer lange Halbschalenbahn – und wurde von Mountainbikern als Trail wiederentdeckt. Zeitmesshäuschen und Startbügel stehen bis heute am Streckenrand, als stille Zeugen ihrer Renn-Vergangenheit.

Der Auftakt führte gleich auf den Hausberg: 25,7 Kilometer und 660 Höhenmeter vorbei an der Bärenfanghütte und dem Amphibolit-Steinbruch am Stümpelfelsen, entlang der Fichtelbergbahn-Trasse mit ihrem parallel laufenden Singletrail. Über die JAG-Hütte und den Schwarzen Teich ging’s hinauf zum Fichtelberg – mit 1.214 Metern zweithöchster Gipfel des Erzgebirges, inklusive Wetterwarte, Friedensglocke und Blick über die gesamte Kammlinie. Krönender Abschluss: die Abfahrt über die alte Bobbahn, ehe es über die Himmelsleiter zurück direkt vors eigene Hotel ging.



Der Bikepark Klínovec – tschechische Seite, direkt hinter dem Grenzübergang Boží Dar, mit Sesselbahnauffahrt und rund 30 Kilometern Trails in vier Schwierigkeitsstufen. Azur und Rubin zählen zu den längsten Flowtrails Europas.

Der Bikepark Klínovec am 15. September 2023: mit der LD-Prima-Express-Bahn hinauf zum Trailpark Klínovec, dann großenteils bergab durch die Trails – gigantisch gut, wie es besser kaum geht. Sogar der Wegpunkt trägt bei uns bis heute ein 👍 im Namen: Hammer Trail. Über Boží Dar und den Grenzübergang Neues Haus ging’s zurück auf deutschen Boden – macht in Summe 69 Kilometer und 2.200 Höhenmeter, der anspruchsvollste Tag der gesamten Tour.



Eigentlich keine Empfehlung, aber der Vollständigkeit halber: das Skiareal Plešivec. Als wir vorbeikamen, wirkte es eher wie eine verlassene Kulisse als ein Skigebiet – halbfertige Bauruinen, leerstehende Lifthäuschen, eine unwirkliche, fast gespenstische Stimmung. Der Ausblick über den Kamm des Erzgebirges war trotzdem ganz nett.

Der große Grenztag: 52 Kilometer und 1.370 Höhenmeter über die Sehma-Quelle und durchs Naturreservat Božídarské Torfmoor hinüber nach Tschechien. Vorbei an den Ruinen der Spitzberg-Häuser und entlang des Sagenwegs des Erzgebirges ging’s zum Gipfel des Plešivec – inklusive Stoneman-Miriquidi-Checkpoint und eigenem kleinen Trail-Bouquet aus Stoneman Flowtrail, Niki Trail und Modrý Trail. Weiter über Mariánská mit seinem Weltkriegsdenkmal, vorbei an Nové Město – nein, nicht das berühmte MTB-Mekka vom UCI-Weltcup, sondern ein 50-Seelen-Ortsteil von Jáchymov – und einem Downhill in die Stadt selbst – inklusive spontaner Liegestütz-Session im Stadtpark –, ehe der Rückweg noch einmal an Boží Dar und dem Klínovec-Gebiet vorbeiführte. Die längste und abwechslungsreichste Etappe der Tour.