
Ehrwald 2025
Das Jahr, in dem die Hobrs die Rechnung beglichen.
Anlauf Nummer drei.
Anlauf Nummer drei. Ja, richtig gelesen. Schon 2022 wollten die Ur-Hobrs mit Unterstützung ihrer gleichnamigen Frauen die Rechnung begleichen. Ein übler Infekt hatte etwas dagegen und zwang Dr. Hobr allein mit seiner batteriegeladenen wing woman aufs Joch. Nächster Versuch in 2025, diesmal zu größtem Bedauern nur mit ¾ der Hobrs. Nummer vier hatte Knie und keine Zeit.
Unterkunft
Wie schon 2019 und 2022: Ehrwalder Hof. Nettes, familiengeführtes Hotel. Pro Tipp: Direkt im Hotel buchen, dann ist das viergängige Abendessen inklusive. Feiner kleiner Wellnessbereich mit Sauna & Co. – sehr zu empfehlen, inklusive spontanem Nickerchen zu dritt im Heubett. Unerwartetes Highlight des Wochenendes.
Berghütte
Natürlich darf ein Zwischenstopp nicht fehlen. In der Hochthörle Hütte wurden wir herzlich empfangen und konnten uns mit Suppe wärmen – was auch äußerst nötig war. Ursprünglich wurde die Hütte 1925 eigens für die Bauarbeiter der Tiroler Zugspitzbahn errichtet, die von hier aus den kürzesten Weg zu ihren Arbeitsplätzen an den exponierten Seilbahnstützen hatten.
Abendessen
Pragmatisch und gut direkt im Hotel Ehrwalder Hof. Stärkung für den Hauptkampftag. Wer im Juni dableibt, erlebt vielleicht die Bergfeuer der Tiroler Zugspitz Arena – seit 2010 immaterielles UNESCO-Kulturerbe, jährlich am dritten Samstag im Juni entzündet.
Zum Glück waren wir schon tagelang darauf eingestellt, dass es nass werden könnte. In Ehrwald angekommen war es aber tatsächlich trocken. „Hier hat es seit Tagen nicht geregnet“, wurden wir empfangen. Trügerische Hoffnung, die auch jäh enttäuscht wurde. Ortsausgang Ehrwald stand uns schon das Wasser in den Schuhen. Bei bis zu 9° Tiefsttemperatur war der erste Tag eine Herausforderung für Körper und Geist. Zum Glück war die Tour nur als leichtes Einrollen geplant … nicht.
Die ersten Kilometer führen uns weitgehend bergab, was bei Sonnenschein und seichten Temperaturen auch wunderschön ist. Hätte sein können. Bis zum ersten längeren Anstieg in Richtung traumhaftem Eibsee standen nicht mehr nur die Schuhe unter Wasser, sondern alles, was nicht wasserdicht verpackt war. Ein Hoch auf Regenhüllen für Fahrradrucksäcke.
Halb um den Eibsee herum ging es am Wettersteinmassiv in die Höhe. Die Hochtörle Hütte hatten wir schon 2019 besucht und waren diesmal froh, dass es drinnen eine warme Suppe mit Einlage gab. Die Abfahrt bei 9° und nass bis auf die Knochen hat es kaum merklich besser gemacht, zumindest hatte der Regen allmählich aufgehört.
Was uns die letzten Reserven aktivierte, war die Aussicht auf Sauna und Bier, nicht zwingend in dieser Reihenfolge und in jedem Fall mit mehrfachen Wiederholungen.
Die Welt ist Wille und Vorstellung – und Hobr heißt, den Willen auf die Vorstellung eines kühlen Biers im Ziel zu richten.
Arthur Schop(p)enhauer (Felsenfreund), Der Hobr als Wille und Vorstellung.
Berghütte
Traumhaften Ausblick und zünftiges Essen gibt’s auf der Marienbergalm kurz unter dem Marienbergjoch – einem uralten Passübergang ins Inntal, über den schon lange vor dem Fernpass Reisende zogen und der Sage nach von den „Saligen Fräulein“ bewacht wurde.
Abendessen
Natürlich nur die Holzerstub’n, deren Name noch an die Tiroler Holzknechte erinnert, die einst die umliegenden Wälder bewirtschafteten – der Ort, an dem die Hobrs entbunden wurden. Wie genau es sich zutrug, darüber gehen die Meinungen auseinander. Aber nicht über das Essen, das war unserer Erinnerung nach hervorragend.
Drei Anläufe hatte es gebraucht: Was schon 2019 als Plan geboren wurde, wurde an diesem 6. September endlich eingelöst – die Rechnung, die sich die Hobrs seit dem gescheiterten ersten Versuch aufgeladen hatten. 48 Kilometer, knapp 1.500 Höhenmeter, gut sechseinviertel Stunden im Sattel – der Hauptkampftag der Tour und ihr eigentlicher Anlass.
Nach dem verregneten Vortag zeigte sich das Wetter versöhnlicher, und mit jedem Höhenmeter wuchs die Anspannung. Kurz unterhalb, auf der Marienbergalm, gab es die verdiente Rast mit Kaspressknödel und Ausblick – und von hier ließ sich bestens beobachten, wie andere Gipfelstürmer in Jeans auf motorbetriebenen Citybikes den Berg erklommen, ohne dass klar wurde, wie sie auf der anderen Seite lebend wieder herunterkamen.
Oben am Marienbergjoch dann: die Erlösung. 2019 war der erste Versuch noch kläglich gescheitert – jetzt endlich am Ziel. Kapitel geschlossen – neue warten nun darauf, geöffnet zu werden.
Der wahre Gipfel ist nur die Aufhebung des gescheiterten Aufstiegs – bewahrt, verneint und über sich hinausgehoben.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (Dialektik-Hobr), Phänomenologie des Hobr-Geistes.















